Geburtsbericht von Mama

Am 09.11.2006 um 3 Uhr morgens bin ich aufgewacht und musste dringend auf die Toilette, nachdem ich mich wieder hingelegt hatte, merkte ich wie mir etwas die Beine herunterlief, also wieder auf Toilette, bis mir klar wurde, dass das Fruchtwasser war. Matze war schon wach, erst habe ich gemeint er soll ruhig noch etwas schlafen, ich werde ihn schon wecken. Dann setzten auch leichte Wehen ein, also hab ich ihm gesagt er soll sich doch fertig machen, schlafen konnte er ja eh nicht mehr, und noch Brot schmieren. Anschließend habe ich auch in der Klinik angerufen und Bescheid gesagt, dass wir nun losfahren.
Um 5 Uhr kamen wir dort an und dann wurde erstmal CTG geschrieben, auf welchem keine Wehen zu sehen waren, obwohl ich welche hatte, der Muttermund war bei 1-2cm und butterweich. Wir durften erstmal eine Stunde spazieren gehen. Wir sind vor der Klinik die Straße rauf- und runtergegangen, zum Glück war es trocken. Wieder zurück war gerade Schichtwechsel und von nun an betreute uns die Hebamme Margot. Wieder kam ich ans CTG und Matze hatte die ehrenvolle Aufgabe Kreuze zu machen, wenn ich eine Wehe hatte. Danach durften wir noch mal etwas spazieren gehen bis zum Frühstück um 8 Uhr. Wir verbrachten die Zeit diesmal im kleinen Klinik-Park. Wieder zurück bekamen wir Frühstück, wobei ich kaum Hunger hatte, Matze dafür umso mehr. Immer zwischendurch mussten wir aufstehen und die Wehen veratmen, da mir das stehend und hüftkreisend am einfachsten fiel. Matze hat mir ganz toll geholfen die Wehen zu veratmen. Nach dem Frühstück ging es wieder ans CTG, diesmal im anderen Kreissaal mit der Wanne, da sah man dann auch endlich Wehen. Nur der Gebärmutterhals war immer noch sehr weit hinten. Gegen 11 Uhr ging es in die Badewanne, sehr entspannend und die Wehen waren auch besser zu ertragen. Die nächste Untersuchung ergab 5 cm, aber der GMH immer noch weit hinten. Also wieder raus aus der Wanne und herumlaufen im Kreissaal, nachdem ich erstmal etwas gelegen hatte, da mein Kreislauf nicht mehr ganz mitspielte…
Die Wehen waren zu diesem Zeitpunkt schon sehr schlimm und schmerzhaft, aber irgendwie ging es nicht so recht voran. In den Wehenpausen bin ich immer wieder eingeschlafen und Matze versorgte mich mit Wasser. Gegen 14 Uhr war wieder Schichtwechsel und ich durfte wieder in die Wanne, der MuMu war nun bei 8cm und Susanne (die Hebamme) hat die restlichen Zentimeter weggedrückt. Langsam ging es vorwärts, aber eben nur langsam. Nach einer für mich endlosen Zeit durfte ich pressen, allerdings hatte ich keine Presswehen, was das ganze etwas schwierig gemacht hat, zudem ließen dann auch noch die Wehen nach in der Wanne, aber das Köpfchen mit den vielen Haaren konnte ich schon fühlen, was für ein Gefühl. Zitat der Hebamme: Jetzt könnten wir sie an den Haaren herausziehen, so viele hat sie und so lange!
Ich musste also raus aus der Wanne und ab aufs Bett, konnte mir gar keine vernünftige Position mehr suchen, da eine Wehe kam und so ging es im Vierfüßlerstand weiter. Was für Schmerzen, ich habe richtig gemerkt wie ich gerissen bin und plötzlich strampelte da etwas und Finja wurde mir durchgereicht. Ich hatte unsere Maus endlich in der Armen. Was für ein süßes kleines Wesen, so viele Haare, so große Augen und UNSERE Tochter. Sie sah genau aus wie ich als Baby, das war mein erster Gedanke. Matze hat die Nabelschnur durchgeschnitten und die Hebamme hat Finja schön eingewickelt. Die Ärztin hat sich dann meinen Riss angesehen: Schamlippenriss, Dammriss und Scheidenriss. Finja hatte die Hand am Kopf und die Nabelschnur um Hals, das alles hat die Geburt so hinausgezögert und schmerzhaft gemacht.
Die Nachgeburt kam ohne Probleme.
Dann durften wir mit ihr kuscheln und plötzlich merkte ich es nur zwischen meinen Beinen laufen, Matze hat sofort die Hebamme geholt und ich wurde an den Wehentropf angeschlossen, damit die Blutungen aufhören. So lagen wir da eine ganze Zeit, dann wurde ich genäht und die Kleine untersucht. Anschließend alles weggeräumt und wir konnten weiter kuscheln und ich bekam etwas zu Essen und dann kam mein Papa. Er durfte in den Kreissaal und ein paar Minuten bei uns verbracht und eine kurze Minute gefilmt. Was hab ich mich gefreut.
Gegen 20 Uhr bin ich dann aufgestanden und mein Kreislauf war bestens in Ordnung. Ich bin dann zur Dusche gegangen und die Hebamme hat immer wieder geschaut ob es mir gut geht. Ich habe die Dusche ausgemacht und das wars, konnte mich nur noch setzen und dann weiß ich dass ich wieder aufgewacht bin und alles weh tat. Zum Glück ist außer einer Platzwunde und einem Schleudertrauma nichts passiert. So um 21 Uhr war ich dann endlich in meinem Zimmer bei meinen beiden Schätzen.

 

Geburtsbericht von Papa

Alles begann damit, dass mich deine Mutter nachts um 03:00 Uhr weckte und meinte Ihre Fruchtblase sei geplatzt. Ich wurde schlagartig wach. Ich hatte so gut geschlafen, dass ich nicht bemerkt hatte wie deine Mutter sich in der Nacht erhoben hatte und zu Klo gegangen war. Sie meinte ich solle aber ruhig bleiben und noch etwas schlafen, denn wir müssten noch nicht zur Paracelsius Klinik eilen. Sie würde mir schon bescheid geben wenn es soweit wäre. Ich konnte natürlich kaum noch ein Auge zu machen und döste eher sachte vor mich hin während deine Mutter im Wohnzimmer auf und ab lief und ab und zu auch auf dem Klo war.
So gegen 03:30 Uhr war ich dann auch auf den Beinen und deine Mutter hatte nun auch schon leichte Wehen. Kurz später rief Sie dann im Kreissaal der Klinik an um zu erfahren ob wir schon loseilen sollten. Die Hebamme die Jessica erreichte riet uns vorsichtshalber schon zur Klinik zu fahren. So begannen wir uns langsam und in Ruhe anzuziehen, schnell noch die Zähne zu putzen und die Tasche deine Mutter zu vervollständigen.
Langsam wurde mir mulmig im Bauch und ich wurde auch sichtlich nervös. Auch deiner Mutter war dies etwas anzumerken obwohl Sie erheblich ruhiger war. Wahrscheinlich machte nur meine bemerkbare Nervosität Sie mit nervös. Ich weiß noch genau wie wir im Flur standen und ich meine Jacke und Schuhe anzog und dabei irgendwie über die Tasche fiel. „Du machst mich nervös“ offenbarte ich deiner Mutter. Die erwiderte im Gegenzug „Ich bin nervös“.
Kurz vorher stand ich noch im Bad, während deine Mutter schon fertig vor der Haustür stand.
Ich überlegte kurz ob ich mir die Haare noch stylen sollte. Dann hielt ich mir aber zwei wichtige Punkte vor Augen. Erstens würde deine Mutter mich fragen ob ich noch richtig ticke und würde kurzer Hand selbst zur Klinik fahren. Zweitens steht meine süße Maus hochschwanger in der Eingangstür und wir haben es eilig… warum ziehe ich diesen Schwachsinn überhaupt in Erwägung!? Deiner Mutter und dir ist es schließlich sche… egal wie der Papa bei der Geburt aussieht. Keine zwei Sekunden später stand ich bei deiner Mutter und schmunzelte im Nachhinein selbst über mich.
Zum Glück ging bei der Fahrt zur Klinik alles Gut. Ich verfuhr mich nicht und das Auto lies uns nicht im Stich. Am meisten hatte ich ja Angst davor mich zu verfahren auf dem Weg zur Klinik, da ich diesen Weg ja noch nie selbst gefahren war aber in Gedanken schon zig mal durchgegangen war.
Wir parkten nicht auf den für Schwangere vorgesehenen Storchenparkplätzen, sondern auf den normalen Besucherparkplätzen. Deine Mutter meinte es ginge ihr gut und wir könnten das kleine Stück zu Fuß gehen. Außerdem müsste ich dann später nicht den Wagen umparken.
An der Pforte erklärte man uns den Weg zum Kreissaal und eine Schwester bzw. eine Hebamme würde uns entgegen kommen um uns zum Kreissaal zu führen. Wir kannten den Weg eigentlich schon von den Besichtigungsterminen der Klinik von früher.
Alles in allem betreuten drei Hebammen deine Mutter. Ich fand alle drei sehr sympathisch, auch wenn deine Mutter die Erste etwas komisch fand.
Zu dem Zeitpunkt wo wir ankamen waren alle drei Kreissäle frei. Wir wurden zuerst in den kleinsten geführt wo deine Mutter zu erst untersucht und an das CTG angeschlossen wurde. Unterdessen beschäftigte ich mich mit den Anmeldeformularen. Da deine Mutter nun in guter Betreuung war wurde ich nun auch sichtlich ruhiger. Anschließend kümmerte ich mich um ein wenig schöne Hintergrundmusik und Tee für die Mama sowie Kaffee für den Papa. Da das CTG die Wehen nicht so gut aufzeichnete, durfte ich die ehrenvolle Aufgabe übernehmen und Striche machen sobald deine Mutter Wehen hatte.
Das CTG stellte die Hebamme zufrieden und der Muttermund war glaub ich schon zwei Zentimeter offen. Um den Prozess zu beschleunigen und weil deine Mutter sich erheben wollte durften wir an die frische Luft. Wir liefen die Straße vor der Klinik auf und ab und spazierten anschließend noch durch den Park hinter der Klinik. Es war nicht zu kalt an diesem Morgen und wir bekamen merklich mit wie es hell wurde. Dabei machten wir von unseren Handys gebrauch und informierten Detlef wie meinen Arbeitgeber.
Als wir zurückkamen, wurden wir von der zweiten Hebamme in Empfang genommen. Sie führte wieder ein CTG bei Jessica durch und untersuchte deine Mutter. Im liegen fiel es deiner Mutter sichtlich schwerer die Wehen wegzuatmen. Ich versuchte Sie zu unterstützen und erinnerte mich an den Geburtsvorbereitungskurs und an das, was die Hebamme dort uns beigebracht hatte.
Nach einer Weile zogen wir dann in der großen Kreissaal um, der zum Glück nicht belegt war. Dieser Kreissaal war sehr geräumig und vor allem sehr „wohnlich“ eingerichtet. Außerdem beinhaltete dieser Kreissaal eine Wanne und deine Mama wollte ja auch eine Wassergeburt.
Nach dem wir uns in dem Saal eingerichtet hatten, brachte uns die Hebamme zwischendurch ein Frühstück. Großzügigerweise wurde dein Papa nicht vergessen. Denn wiedererwartend entwickelte dein Papa einen sehr gesunden Appetit. Das Frühstück wurde aber immer wieder durch Wehen unterbrochen und deine Mutter und ich eilten zu einem Tuch oder zu einem Tisch, um entsprechend die gelernten Übungen anzuwenden und die Schmerzen erträglich zu machen und die Geburt vorzubereiten.
Zwischen dem Frühstück und dem Zeitpunkt als deine Mutter in die Wanne kletterte vergingen Stunden wie im Flug. Und immer wieder dasselbe Spiel. Wehen, Übungen, Kreisen, CTG, trinken, trinken, trinken, Untersuchung…
Schließlich stieg deine Mama in die Wanne und dort entspannte Sie sich sichtlich. Auch waren dort die Wehen erträglicher. Auch dort das gleiche Spiel. Ich konnte nichts tun, als deine Mutter zu kühlen, mit Ihr zu atmen, für Musik und trinken zu sorgen etc… Einfach ihr alles zu bringen was Sie möchte. Man fühlt sich sehr hilflos muss ich sagen. Ich denke dies wird allen Männern so gehen. Die Arbeit macht die Frau und so gern man Ihr was abnehmen möchte… es geht leider nicht. Jedenfalls war deine Mutter sehr tapfer und stand alles durch ohne zwischendurch nach einer PDA zu verlangen oder sich zu beschweren. Ihr Verlangen dich bald auf natürliche Weise in den Armen zu halten, war stärker als der Schmerz. Auch dafür bewundere ich deine Mutter. Denn es hätte Ihr keiner einen Vorwurf gemacht wenn Sie sich anders entschieden hätte.
Weil sich alles über Stunden hinzog musste deine Mutter zwischendurch die Wanne wieder verlassen weil Ihr Kreislauf nicht mitspielte. Auf dem Bett tat Sie sich wieder schwerer, aber ihr Kreislauf stabilisierte sich zum Glück.
Zwischendurch schickte ich ein Stoßgebet zum Himmel und bat darum, dass die Geburt doch bald zu Ende gehen würde. Jessica hatte doch schon genug gelitten.
Deine Mutter konnte irgendwann wieder zurück in die Wanne. Zehn Stunden waren wir nun schon in der Klinik und immer noch kam es mir so vor als würde gar nichts passieren. Auch im Wasser wurde deine Mama ans CTG angeschlossen und untersucht. Meine Aufgaben blieben dieselben. Immer noch kam ich mir hilflos vor und dies änderte sich auch nicht.
Als die dritte Hebamme Ihre Schicht begann, änderte sich das Ganze etwas. Die Hebamme blieb nun öfters und länger bei uns. Für mich war das ein Zeichen, dass sich was tun musste. Am Anfang waren wir immer schon alleine gelassen worden um nicht unnötig gestört zu werden. Aber nun ging es anscheinend dem Ende entgegen und deine Mama fing an zu pressen unter der Anleitung der Hebamme. Jessica kämpfte ohne Ende, so dass es für mich so aussah als ob die kleine Finja jeden Moment das Licht der Welt erblickt. Aber ich irrte mich gewaltig. Es dauerte eine ganze Weile, bis die Hebamme sagte „Ja klasse, super Jessica. Nun waren schon die Haare zu sehen. Gott hat die Kleine viele Haare“. Dies war echt schön zu hören.
Nebenbei bemerkt, lockerte die Hebamme immer wieder durch Ihre Sprüche und Zureden alle anwesenden auf.
Hebamme: „Was wird es denn?“
Jessica: „Ein Mädchen.“
Hebamme: „ Oh wie schön, ein richtiger Mensch“
Da musste selbst die erschöpfte Mutter lachen.
Leider wurden die Abstände der Wehen immer weniger und Jessica musste die Wanne leider verlassen. Es dauerte auf dem Bett im Vierfüßlerstand noch ca. eine halbe Stunde bis die kleine Finja das licht der Welt erblickte.
Fies war vor allem mittendrin, als die Hebamme Jessica bat genau so zu verharren und die Schmerzen kurz zu ertragen, nur damit der Vater einen Kurzen Blick auf die Haarpracht der Tochter werfen konnte.
Als ich schon dachte, auch hier geht es nicht vorwärts, plötzlich ganz unverhofft für mich kam die kleine Finja zur Welt. Frau Dr. Engelmann war inzwischen hinzugeeilt und half bei der Entbindung.
Ich werde nie vergessen wie unsere süße Tochter, Jessica zwischen den Beinen durch gereicht wurde und meine Maus die Kleine in den Arm genommen hat und beruhigend auf unsere süße Tochter eingeredet hat. Plötzlich war auch für mich alles vergessen, wie Jessica zwischen den heftigen Wehen eingeschlafen war. Was zählte war nur noch unsere Tochter, dieser Augenblick die Kleine war endlich da.
Obwohl ich die Nabelschnur nicht durchschneiden wollte, tat ich es doch. Erstens weil mich deine Mama darum gebeten hatte und zweitens weil ich es in diesem Moment doch wollte.